Zukunftsperspektiven im Onlinehandel

Zukunftsperspektiven im Onlinehandel

Die Zukunft des Onlinehandels war Thema einer Diskussion auf dem Onlinehändlerkongress 2015 von plentymarkets. Die Situation im Onlinehandel wird zunehmend absurder: Der eCommerce insgesamt erfährt seit Jahren unglaubliche Zuwachsraten, der stationäre Handel dagegen leidet. Nun könnte man meinen, die Betreiber von Webshops kennen mit ihren Umsätzen nur ein Richtung: nach oben. Aber weit gefehlt, auch die Mehrheit der Onlinehändler steht unter Druck. Die Gewinner sind einige wenige große Player.

Die Gründe für diese schizophrene Situation sind vielfältig:

  • Die Konkurrenzsituation im Internet ist unerbittlich und resultiert in einem selbstzerstörerischen Preiskampf. Der Fokus liegt meist auf Umsatz, nicht auf Rendite. Ein Kampf, den die Kleinen nur verlieren können.
  • Bei den Lieferzeiten geht der Trend Richtung Same Day Delivery. Auch wenn solch kurze Lieferzeiten von Kundenseite derzeit vielleicht noch nicht nachgefragt werden, wird sich deren Erwartungshaltung über kurz oder lang in diese Richtung entwickeln.
  • Viele Händler schimpfen über die Marktmacht von Amazon, liefern sich diesem Unternehmen aber bereitwillig aus.
  • Viele Webshops können kein Alleinstellungsmerkmal aufweisen, das Produktsortiment ist beliebig, die Präsentation der Produkte oft langweilig.
  • Kleine Webshop-Betreiber sind oft zu sehr im Tagesgeschäft gefangen. Sie verpassen es, geeignete und tragbare Konzepte für den Bestand ihres Geschäftes zu entwickeln.
Zukunftskongress im Rahmen des Onlinehändler Kongresses 2015 von plentymarkets in Kassel

Zukunftskongress im Rahmen des Onlinehändler Kongresses 2015 von plentymarkets in Kassel

Ein schöner Beleg für den letzten Punkt war die von den Geschäftsführeren angeregte Diskussion über die Zukunft des Onlinehandels, der sofort in eine ganz andere Richtung ging, nämlich in eine Meckerei über anscheinend fehlende oder fehlerhafte Funktionen der Software von plentymarkets. Die Chance wurde vertan, abseits des Tagesgeschäfts einen Blick über den Tellerrand hinaus zu wagen. Das war so sicher nicht im Sinne der Brüder Griesel, Gründer und Geschäftsführer von plentymarkets.

Es zeichnet sich auch ab, dass die reinen Onlinehändler, auf dem Kongress verächtlich als Kistenschieber bezeichnet, einen ähnlich schweren Stand haben werden wie die rein stationären Anbieter. Ein auf dem Zukunftskongress kommuniziertes Schreckensszenario geht davon aus, dass 90% der Onlinehändler in den nächsten Jahren wieder verschwinden werden. Der schwarze Peter wird gerne Amazon zugeschrieben, aber Amazon hat in den letzten Jahren einfach verdammt viel richtig gemacht, das kann man einem Unternehmen schlecht zum Vorwurf machen.

Nur welche Strategien bieten sich im eCommerce nun an, um diesem Szenario zu entgehen?

Der eCommerce wird auch weiterhin hohe Wachstumsraten haben und auch neue, ungeahnte Geschäftsmodelle bieten. Onlinehändler sind also gefordert, die Chancen zu erkennen, bestehende oder sich neu bildende Nischen zu nutzen. So bleibt der eCommerce auch weiterhin für kleine Anbieter interessant. Entscheidend wird dabei die Kreativität des Unternehmers sein, denn die Goldgräberzeit im Internet ist definitiv vorbei. Und einen Kampf gegen ein Amazon oder ein Zalando kann man nicht gewinnen.

Was ist also zu tun, um weiterhin im Internet Bestand zu haben? Folgende Punkte wurden im Rahmen der Diskussion des Zukunftskongresses genannt:

  • Der Onlinehändler muss sich vom viel gescholtenen Kistenschieber zum Händler und zum Kaufmann entwickeln. Es ist Produktkompetenz gefordert.
  • Der Fokus muss wieder mehr auf Rendite liegen, ein ruinöser Preiskampf mit Blick auf Umsatz macht keinen Sinn und kann nicht gewonnen werden.
  • Es muss endlich ein Controlling eingeführt und genutzt werden. Die Werkzeuge dafür stehen seit Jahren zur Verfügung, werden aber immer noch zu wenig oder gar nicht eingesetzt.
  • Das funktioniert aber nur, wenn man sich mit seinem Angebot von der Masse abhebt und ein Alleinstellungsmerkmal (der vielbeschworene USP) entwickelt.
  • Das wiederrum schafft man nur, wenn man sich als Unternehmener auch die Zeit nimmt, solche USP’s zu erkennen und zu entwickeln. Das geht nicht, wenn man im Tagesgeschäft gefangen ist.
  • Selbst die Darstellung der Produkte im Shop muss sich von der schnöden Katalogansicht, wie wir sie in Webshops gewohnt sind, abheben. Dazu zählen auch die Möglichkeiten zur Personalisierung eines Angebots. Das Einkaufen in einem Onlineshop muss (und kann) zu einem Erlebnis werden.
  • Reine Onlinehändler werden es in Zukunft schwerer haben, aber für den stationären Handel eine gute Nachricht: Kunden wünschen sich durchaus die Möglichkeit, sich online zu informieren, aber im Ladengeschäft zu kaufen. Es gibt zahlreiche Strategien, beides miteinander zu verknüpfen, z.B. Ware online im Laden reservieren oder deren Verfügbarkeit zu überprüfen.
  • Zu den Gewinnern werden aber die Hersteller gehören, die sich mit einem Onlineshop einen zusätzlichen, vom Handel unabhängigen Vertriebskanal aufbauen können. Wer dann noch exklusive Ware anbietet, hat auch einen Preiskampf nicht zu fürchten.

Als Fazit lässt sich sagen: Es genügt einfach nicht mehr, einen Webshop ins Netz zu stellen zu warten, bis ein Kunde vorbeikommt. Die Branche hat sich deutlich professionalisiert und erfordert mit den vielen Möglichkeiten im Marketing ein extrem hohes technisches Knowhow. Dieses muss man beherrschen, oder aber einkaufen.

Weitere Informationen zur Veranstaltung

Buchtipps zum Thema eCommerce und Shopsysteme

1 Kommentar

Trackbacks/Pingbacks

  1. Der Onlinehändler Kongress 2015 von plentymarkets in Kassel | virtual-commerce.de - […] hatte ich ja bereits einige Erkenntnisse von der Zukunftskonferenz in Kassel zur Zukunft des Onlinehandels gepostet. In diesem Beitrag…

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *