Zahl der Existenz- und Firmengründungen geht in 2012 zurück

Letzten Freitag (28. September 2012) meldete die Süddeutsche Zeitung in ihrem Wirtschaftsteil, dass die Zahl der Existenzgründungen im ersten Halbjahr 2012 gegenüber den Vorjahren stark zurückgegangen sei. Sie beruft sich dabei auf Zahlen des DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag), der schätzt, dass es gesamten Jahr nur noch weniger als 400.000 Existenzgründungen geben wird.

Als Grund für das abnehmende Interesse an der Selbständigkeit wird einzig und allein der aktuell gute Arbeitsmarkt genannt. Kein Wort zum Beispiel davon, dass die Gründungsförderung durch den Bund von der schwarz-gelbe Regierung stark zurückgefahren wurde und damit den Sprung in die Selbständigkeit deutlich erschwert wurde. Die vorherrschende Motivation für den Schritt in die Selbständigkeit scheint also nur eine drohende Arbeitlosigkeit zu sein. Ein äußerst negatives Bild von der Selbständigkeit.

Dabei liefert die Süddeutsche nur einen Tag später, in der Wochenendausgabe vom 29./30. September 2012 in der Beilage „Beruf und Karriere“ einen weiteren, ziemlich guten Grund für die Selbständigkeit (Artikel Kollege Fürchterlich): Kollegen oder Vorgesetzte, die einem nachhaltig die Freude an der Arbeit vergällen. Laut Artikel werden in größeren Unternehmen hauptsächlich diejenigen befördert, die mindestens verhaltensauffällig sind. Im günstigsten Fall hat man es dabei mit Narzissten und Zynikern zu tun, die einem das Berufsleben zur Hölle machen können. Im schlimmsten Fall aber mit Soziopathen, einem Menschentyp, der sich vor allem durch antisoziale Persönlichkeitsstörrungen auszeichnet. Traurig genug, dass dieser Typus Mensch sich in Unternehmen am besten durchsetzen kann und so die Karriereleiter nach oben steigt. Seinen Weg pflastern dabei vermutlich viele Leichen.

Was bleibt einem in diesem Fall? Nun, der Schluss, den der Artikel der Süddeutschen zieht: Jobwechsel. Das ist aber oft leichter gesagt als getan. Denn nicht jeder kann einfach mal so seinen Job wechseln, wenn er es in der Arbeit plötzlich einenm Psychopathen als Vorgesetzten vorgesetzt bekommt. Die aktuelle Diskussion um Burnout zeigt ja auch, dass immer mehr Menschen in ihrem Berufsleben nicht mehr klar kommen. Wer ein gewisses Alter überschritten hat oder an seinen Wohnort gebunden ist, dem steht diese Möglichekit nicht so einfach zur Verfügung. Der Schritt in die Selbständigkeit, mit entsprechender Unterstützung, wäre da vielleicht eine sinnvolle Alternative. Die ist politisch aber scheinbar nicht mehr gewollt, schade.

Eine (selbständige) Kollegin von mir sagte letztens den schönen Satz: »Wer selbständig ist sollte auch selbständig arbeiten«! Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

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