Review einzelner Vorträge von der K5 Konferenz in München

In diesem Beitrag folgt nun ein kleiner Rückblick auf Vorträge der K5 Konferenz, die für mich besonders interessant waren:

  • Einer der ersten Vorträge, die mich besonders interessierten, war von René Marius Köhler, Gründer und Geschäftsführer der Firma Internetstores GmbH. Zu Internetstores gehört zum Beispiel die Marke fahrrad.de. Köhler war einer der ersten, die den Mut hatten, Fahrräder über das Internet zu verkaufen. Und der Mut wurde belohnt. Während in Deutschland aus Gründen der Bekanntheit die drei unterschiedlichen Marken fahrrad.de, bruegelmann.de und bikeunit.de aktiv bleiben, wurden in zahlreichen europäischen Ländern die Marke bikester.com eingeführt.

    Da ich mit dem eigenen Onlineshop Bikezeug.de als Ergänzung zu einem bestehenden, stationären Ladengeschäft kurz vor dem Onlinestart stehe, ist für mich natürlich sehr spannend zu sehen, wie der Platzhirsch am deutschen Markt agiert. Dabei interessiert mich natürlich die Frage, ob man mit seinem kleinen Onlineshop überhaupt noch eine Chance hat, einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Aber der Einzelhandel muss auf ja irgendwie auf die Konkurrenz aus dem Netz reagieren und wir tüfteln noch an Ideen für einer eher regional ausgerichtete Vermarktung. Die neuen Services der Suchmaschinenbetreiber im Bereich lokale Suche werden dabei sicherlich eine Rolle spielen. Jedenfalls waren alle prognostizierten Zahlen für die Entwicklung des Onlinevertriebs so positiv, dass sich alleine der Versuch lohnen wird. Und dass sich Fahrräder über Internet verkaufen lassen, hat ja bereits Herr Köhler bewiesen.

    Aber besonders bemerkensweert fand ich, dass selbst eine große Firma wie Internetstores Probleme mit Herstellern hat. Diese wollen nämlich (noch) nicht, dass ihre Ware online verkauft wird und liefern deshalb nicht an Onlineshops. Die Reaktion von Internetstores: man hat die etwas heruntergekommene Marke Votec aufgekauft, möbelt gerade die Produktpalette auf und steigt selbst als Hersteller in den Direktvertrieb ein. Eine Option, die wir mit Bikezeug wohl (erst mal) nicht haben.

    Zu erwähnen ist noch, dass sich Internetstores nur noch auf das Onlinegeschäft konzentrieren wird. Den Laden in Stuttgart, aus dem diese Firma hervorgegangen ist, wird es bald nicht mehr geben. Das kann man sicherlich schade finden, ist aber konsequent.
  • Einen weiteren Vortrag, den ich mit Spannung erwartet habe, war Markus Kobelt von der schweizerischen Lubera AG. Die Lubera AG ist eine Gärtnerei und Züchterei, die sich auf Züchtung und Vertrieb von Beerensträucher, Obstbäumen und Rosen spezialisert hat. Herr Kobelt hat sich dabei sehr früh auf eine für diese Branche sicherlich ungewöhnliche Marketingform konzentriert, dem Videomarketing. Er hat bereits mehr als 800 (!) deutschsprachige Videos aus dem Gartenbau produziert, die von mehr 200 englischsprachigen Videos ergänzt werden. Das sind inzwischen soviele, dass er sie auf einer eigenen, kürzlich erst gestarteten Plattform Gartenvideo.com präsentiert.

    Auch hier steht der persönliche Bezug im Vordergrund, da ich selbst seit Jahren einen Blog zu Garten- und Pfllanzenthemen betreibe: florilegium.de. Für mich nicht mehr nur ein Spaßprojekt, denn ich nutze den Blog zum Beispiel unter anderem für Experimente rund um die Suchmaschinenoptimierung (SEO). Da die Nutzerzahlen derzeit stark ansteigen mache ich mir natürlich auch Gedanken darüber, ob man das dankbare Thema Garten nicht auch kommerziell angehen könnte. Jedenfalls hatte ich bei einem kurzen Gespräch mit Herrn Kobelt die Gelegenheit, einige Gedanken und Ideen auszutauschen. Mal sehen, was daraus wird.
  • Eindrucksvoll war auch die Präsentation von Samy Liechti (auch ein Schweizer), der bereits 1999 die Firma Blacksocks gründete und Herrensocken im Abo vertreibt. Socken sind seiner Meinung nach mit das langweiligste Produkt, dass man im Internet verkaufen kann. Das dies trotzdem erfolgreich geht, beweist Herr Liechti nicht nur, weil seine Firma zu den Urgesteinen im Internet gehört, sondern auch am Beispiel seiner neuesten Kreation, einer MobilApp, die Socken sortiert, die sogenannten Smarter Socks. Mit dem richtigen Schuss Kreativität kann man sogar langweilige Socken im Internet erfolgreich verkaufen. Ich weiß nicht, warum ich bei seinem Vortrag an meinen früheren Arbeitgeber, einem schweizer Versicherungskonzern denken musste.
  • Noch ein Schweizer und noch ein Urgestein des Internet: Dominque Locher von LeShop. LeShop hat es geschafft und verkauft tatsächlich erfolgreich Lebensmittel über das Internet. Beeindruckend fand ich die Firmengeschichte, denn LeShop startete ebenfalls 1999. Zweimal stiegen Investoren ein und verloren wieder den Glauben an die Geschäftsidee. Zweimal stand Leshop bereits vor dem Aus und einmal haben sogar die Gründer der Firma diese wieder zurückgekauft. Das Risiko (nein, nicht das der Risikolkapitalgeber, sondern das der Gründer) haben sich gelohnt, LeShop konnte sich etablieren und gehört inzwischen zum schweizer Handelskonzern Migros.
  • Einen für mich erstaunlichen Vortrag hielt Lars Jankowfsky, CTO bei der Firma Yatego. Es war das erste und einzige Mal, das Webanalyse zur Sprache kam. Er forderte alle im eCommerce Verantwortlichen dazu auf, sich nicht auf nur auf ihr Bauchgefühl zu verlassen, sondern das Nutzerverhalten im Onlineshop zu messen und zu beobachten. Genauso kam das Thema agile Softwareentwicklung und deren Einsatz im eBusiness zur Sprache. Kommt man, wie ich, aus der Softwarenetwicklung und aus der Webanalyse, muten solche Aufrufe eher seltsam an. Aber meine Erfahrung mit Leuten aus dem klassischen Vertrieb und Marketing passen sehr schön zu Herrn Jankowfskys Aufruf. Ich habe genügend hingerotzte Webprojekte und Kampagnen im Onlinemarketing miterleben dürfen, die auch alle, um es salopp auszudrücken, den Bach runtergingen.

    Und so begründet Jankowfsky seine Aufrufe auch nicht aus einem Gutmenschentum heraus, sondern argumentiert im Sinne einer hohen Qualität als Vorraussetzung für eine hohe Investitionssicherheit. Also haltet Euch dran!

Soweit die Einzelvorträge, die bei mir am meisten Eindruck hinterlassen haben. Auf alle einzelnen Präsentationen einzugehen, würden hier sicherlich den Rahmen sprengen. Nächstes Jahr einfach selbst auf die K5 gehen. Vielleicht sieht man sich, trotz des sicherlich wieder großen Andrangs.

Teil 1: Die eCommerce-Konferenz K5 in München

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