netzblicke der IHK München mit dem Thema Crowdfunding

Sind die Themen der Vortragsreihe netzblicke der IHK München meist im Zusammenhang zu eCommerce oder Marketing, ging es beim gestrigen Vortrag von Dr. Michael Gebert um Crowdfunding. Das hat mit Internet nicht zwingend etwas zu tun, geht es doch um alternative Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte und/oder Unternehmen. Viele Startups stammen allerdings aus dem Umfeld des eCommerce, so gesehen passt das Thema dann doch ganz gut.

Aber was ist Crowdfunding eigentlich?

Crowd ist die Menge (an Menschen), funding hat irgendwie mit Geld zu tun. Eine Menge an Leuten, die über Geld verfügt, bezahlt oder finanziert also etwas. Das Etwas können zum Beispiel Projekte, deren Ziele nicht zwingend kommerzieller Natur sein müssen oder Firmengründungen. Damit unterscheidet sich Crowdfunding nicht unbedingt von anderen Anlageformen wie Aktien, Anliehen oder Genussscheinen: Viele geben Geld um gemeinsam eine Idee oder Unternehmung zu ermöglichen.

Firmen zu unterstützen wäre eigentlich die Rolle der Banken, aber denen ist die Förderung von kleinen oder mittelständischen Firmen zu langweilig und offenkundig nicht lukrativ genug. Man zockt lieber im globalen Casino, da sind die Chancen größer und die Risiken trägt politisch abgesegnet bekanntlich der Steuerzahler. Seid der Finanzkrise sind Grauen Herren im feinen Zwirn mit der Kreditvergabe außerdem noch knauseriger geworden, als hätte der Mittelstand die Krise verursacht.

Viele Menschen besitzen viel Geld und von denen gibt es immer mehr, die es nicht unbedingt den Banken anvertrauen möchten. Denn wo und wie die Banken dieses Kapital verwenden ist für den Anleger selten nachvollziehbar. Viele Menschen wollen Ihr Geld außerdem sinnstiftend anlegen, nicht unbedingt in genmanipuliertem Soja in Südamerika.

Die spannende Frage ist daher, wie bringe ich Leute zusammen, die Geld haben und die, die Geld brauchen. Da kommt Crowdfunding ins Spiel bzw. Crowdfunding-Plattformen (und damit auch weider das Internet). Das Prinzip ist einfach: Leute mit Ideen präsentieren diese und werben um Geldgeber. Grundsätzlich läuft es also wie bei der Kreditvergabe bei der Bank, nur diese fehlt in diesem Fall. Ob und welche Idee wieviel Geld zur Verfügung bekommt, entscheidet ein Schwarm von Investoren. Das ist Chance und Risiko zugleich.

Denn wo Geld ist und wo man Geld verdienen kann, da sind Blender und Betrüger nicht weit. Das ruft natürlich unsere Behörden und Aufsichtsgremien auf den Plan, die mit so etwas Schwammigen wie Schwarmintelligenz nichts anfangen können. Und da es sich letztendlich bei Crowdfunding um eine Geldanlage handelt, sind die Regeln seid der Finanzkrise besonders streng.

Der Referent streifte nur die Themen wie Verbraucherschutz, steuerliche und bilanzielle Aspekte. Nicht mal der Hauch von Grassroot-Bewegung bleibt da übrig: es ist eine komplexe Materie mit zahlreichen Stolpersteinen für beide Seiten, Geldgeber und -nehmer. So kommen schnell Fragen auf, ob zum Beispiel die Gewinnbeteiligung für den Investor als Kapitalertrag oder als Gewerbeeinnahme versteuert werden muss (unterschiedliche Steuersätze) oder ob der Geldsegen eines erfolgreichen Crowdfundings-Projekts für eine Firma als Fremd- oder Eigentkapital bewertet wird. Ich bekomme bei meiner eigenen Steuererklärung schon die Krätze.

Welche Formen des Crowdfunding gibt es?

Wissenswert: Es werden vier Formen des Crowdfundings unterschieden, je nach Ausprägung mit unterschiedlicher Motivation der Beteiligten:

  • Spenden-Modell (Donation-Model)
    Wie der Name sagt, das Investment wird als Spende betrachtet, es gibt also kein Geld zurück. In USA übrigens das umsatzstärkste Segment im Crowdfunding. Stolperstein in Deutschland: man sollte klären, ob man seine Spende steuerlich geltend machen kann, Stichwort Spendenquittung.
  • Belohnungsmodell (Reward Based Model)
    Hier gibt es für den monetären Einsatz eine Vergütung, in welcher Form blieb gestern offen, ich vermute aber mal, dass es da viele Möglichkeiten geben kann (Gewinn- oder Umsatzbeteiligungen).
  • Darlehensmodell (Lending-Model)
    Der klassische Kredit, nur nicht von der Bank, sondern von der Crowd. Wird von den Kosten her nicht günstiger sein, aber wenn man die Menschen mit seiner Idee überzeugen kann, bekommt man vielleicht noch Geld, wo die Banken schon längst ausgestiegen sind.
  • Eigenkapital-Modell (Equity-Model)
    Ein Beteiligungsmodell, das eher im Bereich Crowdinvesting angesiedelt ist. Dürfte für Unternehmensgründugen am interessantesten sein. Mit Beteiligungen gibt man natürlich seine Freiheit auf und holt sich Mitsprache und Kontrolle ins Haus. Ist im Einzelfall zu prüfen.

Die Parteien im Crowdfunding

Es gibt drei Parteien im Crowdfunding: der Initiator, der sein Projekt oder seine Idee finanzieren möchte, der Investor mit verschiedenen Motivationen und der Intermediär, der die beiden zusammenbringt. Für letzteren ist das Geschäft übrigens am risikolosesten, denn er bekommt sein Geld immer, meist von beiden Partnern.

Kein Wunder also, dass in den letzten Jahren Firmen wie Pilze aus dem Boden schießen, die Dienstleistungen im Bereich Crowdfunding anbieten. Da finden sich seriöse wie unseriöse Anbieter mit einem großen Graubereich dazwischen. Man sollte sich also gut informieren, wenn man sich für diese Anlageform bzw. diese Art der Unternehmensfinanzierung interessiert. Nur wo?

Die IHK engagiert sich in diesem Bereich und hat dazu ein neues Referat gegründet. Und er Referent Dr. Michael Gebert mit seiner Kampagne dürfte eine gute Anlaufstelle für tiefergehende Informationen sein. Er organisiert zudem eine Crowfunding-Konferenz, die am 20. Novemebr 20124 in München stattfinden soll. Ich teile einfach mal die Links mit, die bei der gestrigen Veranstaltung angeboten wurden:

Trotz der Länge des Beitrags habe in meinem Artikel das Thema nur angekratzt. Crowdfunding ist erst im Entstehen und gerade für junge oder kleine Firmen dürften sich in Zukunft interessante Finazierungsmöglichkeiten ergeben.

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