Gelesen: Web Analytics von Marco Hassler

Der Buchmarkt zum Thema Webanalyse ist im deutschsprachigen Raum noch recht überschaubar. Eines der ersten Fachbücher zur Webanalyse stammt von Marco Hassler, dessen zweite und überarbeitete Auflage im Frühjahr 2010 erschien Web Analyse: Metriken auswerten, Besucherverhalten verstehen, Website optimieren.

Hassler bietet auf über 500 Seiten eine grundlegende Einführung in das Thema. Mit einem gewissen Maß an Vorwissen ist das immer etwas problematisch, denn so gestaltete sich die Lektüre zeitweise etwas zäh. Ich habe mich trotzdem durchgebissen und konnte dann doch noch die ein oder andere neue Erkenntnis gewinnen.

Gefallen hat mir vor allem sein Ansatz, dass Webanalyse nicht zum Zählen von Seitenaufrufen oder Besuchen dient, sondern zur Nachverfolgung ganz konkreter Geschäftsziele. Um diese zu ermitteln beschreibt er sehr ausführlich die Methodik und gibt sehr detailierte Anleitungen für Workshops mit den relevanten Kollegen der verschiedensten Abteilungen. Mit der Definition der Ziele geht die Entwicklung der Kennzahlen einher, mit denen später die Erreichung der Ziel überprüft wird. Ein Vorgehen, für das ich selbst auch immer gerne Werbung mache.

Ein (ganz klein) wenig inhaltliche Kritik zum Buch:

  • Zur Optimierung von Webseiten favorisiert Hassler den Einsatz von multivariaten Tests gegenüber A/B-Tests (auch A/B Splittests genannt). Für mich sind diese beiden Methoden aber nicht beliebig austauschbar, denn multivariates Testing setzt sehr viel Traffic auf der Webseite voraus. Nur so kommt man zu statistisch sauberen Ergebnissen. Für viele Webseitenbetreiber ist damit zwangsläufig der A/B-Test das Mittel der Wahl
  • Eine ähnliche Problematik ergibt sich mit den von Hassler emfohlenen Tools, um Webseiten von Mitbewerbern zu analysieren. Mit Google Trends, Compete oder Alexa lassen sich z.B. die Anzahl an Besuchern fremder Webseiten zumindest schätzen. Aber auch hier nur unter der Voraussetzung, dass die Webseiten genügend Traffic aufweisen. Aber wer von uns betreut schon eine Webseite wie die von BMW oder vom ZDF?
  • Auch wenn die neue Auflage des Buches erst im letzten Jahr erschien, die Beipsiele des tracking codes für die Messung virtueller Seitenaufrufe und von Events in Google Analytics scheinen nicht mehr aktuell zu sein. Bei mir hier auf dem Blog virtual-commerce.de haben sie jedenfalls nicht funktioniert und ich musste mir erst die neue Syntax auf der offiziellen Supportseite zu Google Analytics raussuchen. Aber auch das ist ja ein generelles Problem von Printmedien im Internetzeitalter.

Für mich ganz nützlich war der praktische Teil zu Google Analytics. Ich gehör(t)e auch zu den 0815-Usern des freien Webanalyse-Tools. Mit der Anleitung von Marco Hassler habe ich nun aber einige zusätzliche Auswertungen mithilfe von virtuellen Seitenaufrufen und dem Event-Tracking einrichten können wie z.B. die Messung der PDF-Downloads und Outbound-Links. Jedenfalls hat der interessierte Leser so die Chance, viele Fragestellungen der Webanalyse in der Praxis auszutesten, vorausgesetzt natürlich, er betreibt eine eigene Webseite oder einen eigenen Blog.

Als Fazit: Für jeden, der sich in Webanalyse einarbeiten möchte oder mehr davon verstehen möchte liefert das Buch eine gute Grundlage. Für Praktiker im Marketing bzw. Onlinemarketing sollte es Pflichtlektüre werden. Für praxiserprobte Webanalysten bietet es jedoch nicht viel neues.

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