Gelesen: Die große Fotoschule – Digitale Fotopraxis von Christian Westphalen

In meiner Schulzeit habe ich noch in einer improvisierten Dunkelkammer mit allerlei Chemikalien herumgepanscht, um meine Schwarzweiß-Aufnahmen selbst zu entwickeln. Später ist das Hobby Fotografie dann etwas in den Hintergrund geraten. Geblieben ist mir neben einer ganz guten Ausrüstung auf Basis einer Spiegelreflex-Kamera eine größere Sammlung an Negativen und Tausende von Dias.

Irgendwann einmal habe ich mir dann beim Discounter eine billige Digiknipse gekauft und habe dann nach ungefähr zwei Jahren festgestellt, dass ich seit diesem Moment meine analoge Fotoausrüstung nie wieder in die Hand genommen habe. Also habe ich mich dann doch durchgerungen, einen digitalen Body für meine Objektive anzuschaffen. So musste ich erst einmal feststellen, dass es die Kameramarke Minolta gar nicht mehr existierte. Ich hatte schon Sorge, es gibt überhaupt keine Gehäuse für meine Minolta-Objektive mehr, aber Minoltas Kameraproduktion ging komplett auf Sony über.

Aber auch mit dieser digitalen Ausrüstung der Einsteigerklasse habe ich nicht mehr gemacht als mehr oder weniger drauflos zu knipsen. Mit den Ergebnissen war und bin ich allerdings meist unzufrieden. Grund genug, mich doch einmal etwas eingehender mit digitaler Fototechnik zu beschäftigen. Den Auftakt bildete die Lektüre von Christian Westphalens Buch „Die große Fotoschule“.

Westphalen beschreibt in dem Buch erst einmal die Technik digitaler Kameras und hebt dabei die Unterschiede zur analogen Spiegelreflextechnik besonders hervor. Das Buch ist also vor allem für diejenigen interessant, die bereits Kenntnisse in der analogen Fotografie sammeln konnten. Ausgehend von der Technik leitet er dann die Möglichkeiten zur Beeinflussung verschiedener Gestaltungsmöglichkeiten wie Blenden- und Zeitvorwahl zur Steuerung von Belichtung, Schärfe, Tiefenschärfe, Farbigkeit sowie die Nachbearbeitung der rohen Fotos im „Raw“-Format ab. Während ich es mit meiner analogen Ausrüstung gewöhnt war, Parameter wie Blende oder Belichtungszeit bewusst zu wählen, habe ich mich bis jetzt bei meiner digitalen Kamera auf allerlei Automatismen verlassen. Damit ist erst einmal Schluss!

Einige meiner Aha-Erlebnisse, die ich bereits beim Lesen des Buches hatte:

  • Brennweite der Objektive verlängert sich angeblich um Faktor 1,5
    Als ich das digitale Gehäuse für meine Objektive gekauft habe, erklärte mir der Verkäufer, dass sich die Brennweite ungefähr um den Faktor 1,5 verlängert (ja, ich habe die Kamera im stationären Handel tatsächlich günstiger bekommen als im Internet!). Warum das so sein soll, habe ich zuerst nicht ganz kapiert, es liegt aber an dem Sensor in der Kamera, der kleiner als Filmformat 36 x 24 mm ist. Damit ist der Bildausschnitt bei einer gegebenen Brennweite kleiner als bei einem analogen Gehäuse. Man hat den Eindruck einer längeren Brennweite.
  • Fotografieren im Raw-Format, digitale Dunktelkammer
    Die Option, Bilder im Raw-Format habe ich erst mal ignoriert, um Platz auf der Speicherkarte zu sparen hatte ich nur das JPG-Format verwendet. Das Raw-Format entspricht aber so ungefähr einem Negativ in der analogen Welt und ist Ausgangsprodukt für die digitale Dukelkammer.
  • Wechselnde ISO-Werte als Gestaltungsmittel
    Die Vorgabe von Blende und/oder Belichtungszeit kennt man ja noch aus analoger Zeit. Die Lichtempfindlichkeit des Films stand fest, zumindest solange, wie man einen Film mit festem ISO-Wert eingelegt hatte. Nun lässt sich die Lichtempfindlichkeit pro Aufnahme einstellen und damit wird die ISO-Zahl neben Blende und Zeit zu einem dritten Parameter, der pro Aufnahme variiert werden kann.
  • Kaputter Filter auf dem Objektiv
    Westphalen ist kein Ausrüstungsfetischist, er vermittelt mehr die Ansicht, dass der Fotograf das Bild macht, nicht die Kamera. Er gibt aber Tipps, wie man seine Ausrüstung sinnvoll ergänzt, z.B. um gebrauchte Objektive. Dazu liefert er eine Checkliste, mit der man relativ schnell erkennt, ob man ein echtes Schnäppchen oder doch nur Schrott in der Hand hält. Ich habe jedenfalls ein altes Minolta Tele-Zoomobjektiv, mit dem ich gar nicht mehr gerne fotografierte, weil die Bilder ziemlich Farb- und Kontrastarm sind. Dieses Objektiv habe ich mir dann anhand der Checkliste vorgenommen, um zu sehen, was genau an dem Obbjektiv eigentlich so schlecht ist. Und siehe da, es war einfach nur der Skylightfilter, der über die Jahre völlig eingetrübt ist. Alleine dafür, dass ich dieses Objektiv mal wieder in die Hand genommen habe, hat sich die Anschaffung des Buches gelohnt. Der Filter flog umgehend in die Mülltonne.
  • Lust am Experimentieren
    Dank der „Großen Fotoschule“ habe ich wieder richtig Lust mit der Kamera zu experimentieren und die diversen Automatismen an der Kamera Schritt für Schritt zu deaktivieren. Der große Vorteil der digitalen Technik: man bekommt die Ergebnisse sofort zu sehen.

Weitere Infos zu Christian Westphalen und seiner Arbeit wie Fotoarbeiten, Bücher und Seminare finden sich auf seinem Blog www.westbild.de.

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