eCommerce mit der Regionalwährung AmmerLechTaler?

Letzten Freitag fand im Ammersee Denkerhaus in Dießen das monatliche Schnupperma(h)l statt. Auch diesmal wieder mit einem Vortrag: Es ging um die Regionalwährung AmmerLechTaler sowie die Initiative »Bürger Vermögen viel«. Ein spannendes Thema, spüren wir in Europa doch alle die Auswirkungen der Finanzkrise und müssen miterleben, wie der Finanzmarkt die Politik vor sich hertreibt und unseren Politkern die Regeln diktiert.

Förderung des Mittelstandes mit der Regionalwährung AmmerLechTaler

Der Finanzmarkt übertrifft die Realwirtschaft inzwischen um ein Vielfaches, das Problem dabei ist nur, von den Gewinnen, die am Finanzmarkt erwirtschaftet werden, profitieren nur einge Wenige, von der Realwirtschaft, die in Deutschland hauptsächlich aus mittelständischen Firmen besteht, lebt unsere Gesellschaft. Ein weiteres Problem: kommt der Finanzmarkt, der den früheren Allchemisten gleich aus Nichts Gold machen möchte, ins Straucheln, werden Bürger und Unternehmen mit in Sippenhaft genommen und müssen für die von der Finanzindustrie verursachten Schäden aufkommen.

Nur was können wir, also der einzelne Bürger diesem Treiben entgegesetzen? Eine Idee sind die Regionalwährungen, wie der AmmerLechTaler oder auch der Chiemgauer. Mit diesen Währungen geht man wieder einen Schritt zurück und reduziert das Geld wieder auf seine ursprüngliche Bedeutung: als Zahlungsmittel für Produkte oder Dienstleistungen. Das Geld bleibt Mittel zum Zweck und wird nicht selbst zum Zweck.

Wie funktioniert der AmmerLechTaler?

Der AmmerLechtTaler kann im Kurs 1 : 1 zum Euro getauscht werden. Mit dieser Währung kann man dann bei teilnehmenden Läden oder Firmen bezahlen. Je mehr Firmen mitmachen, desto besser natürlich für den Kunden. Nur was machen die Firmen dann mit den angehäuften AmmerLechTalern? Zur Bank bringen geht nicht, denn die werden diese Währung nicht akzeptieren. Also was macht man mit dem Geld? Man gibt es wieder aus. Und zwar wieder bei den Unternehmen, die diese Währung annehmen. Das heißt, man kauft zum Beispiel sein Büromaterial bei einem Laden, der diese Währung nimmt und nicht unbedingt zum billigsten Preis im Internet. Das Geld soll in der Region bleiben, so zumindest das erklärte Ziel.

Ob dieses Ziel erreicht werden kann hängt natürlich auch davon ab, wie viele Unternehmen einer Region mitmachen. Man kann seine AmmerLechTaler aber auch in Euro zurücktauschen. In diesem Fall zahlt man aber eine Art Strafgebühr, die aber durchweg sozialen Einrichtungen der Region zugute kommt. Die soziale Komponente ist neben dem wirtschaftlichen Ziel ein weiterer Aspekt dieser Initiative. Die Kreislaufwirtschaft des lokalen Geldes soll wieder vollständig den Bürgern und der Region nützen und nicht einigen wenigen globalen Finanzinstituten. Wer sich für den AmmerLechTaler interessiert der kann sich auf der Webseite der Regionalwährung über die Bedingungen einer Teilnahme, als Konsument oder als Unternehmen, informieren. Der Link folgt am Seitenende.

Der nächste Schritt: Die Initiative »Bürger Vermögen viel«

Der Verwaltung und Organisation der Regionalwährung AmmerLechTaler ist sehr aufwändig und wird nur von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen. Je mehr die Idee wächst, desto schwieriger wird es, diese Arbeit zu leisten. Daher hat sich die Idee entwickelt, sich auf die Ziele zu konzentrieren, die man mit der Währung verfolgt: Die Stärkung der lokalen Wirtschaft verbunden mit der Unterstützung sozialer Projekte. Und dabei hat sich gezeigt, dass es eigentlich nicht unbedingt notwendig ist, eine echte Währung zu unterhalten, das Prinzip genügt: die Idee des Bürgertalers der Initiative »Bürger Vermögen viel« wurde geboren.

Im Gegensatz zum AmmerLechTaler ist der Bürgertaler nun keine Alternativwährung zum Euro mehr, sondern eher eine Art Ergänzung. Kunden oder Firmen, die sich an dieser Initiative beteiligen, bezahlen und kalkulieren einfach wie gewohnt mit dem Euro. Pro Transaktion, also getätigter Verkauf/Kauf, wird für jeden Euro ein Bürgertaler gebucht. Die Buchung kann auf verschiedenen Wegen durchgeführt werden, zum Beispiel über ein Internetportal. Dem Käufer wird der entsprechende Betrag also belastet, dem Verkäufer gutgeschrieben. Das Prinzip bleibt das Gleiche, wie beim AmmerLechTaler: diese Bürgertaler sollen von den Teilnehmern nicht angehäuft werden, sondern sollen idealerweise im Umlauf bleiben. Also werden Unternehmen versuchen, in einem Netzwerk mit anderen teilnehmenden Unternehmen Handel zu treiben. Der Vorteil ist, dass sich diese Initiative nicht mehr nur auf eine kleine Region beschränkt, der Bereich kann durchaus größer werden und wachsen.

Auch hier gelten verschiedene Bedingungen einer Teilnahme, je nach Rolle. Als KUnde oder Konsument kann man beim Bezahlen einfach seine Bürgerkarte vorzeigen und der Händler verbucht neben dem Kaufpreis in Euro auch den Betrag in Bürgertaler. Für einen Kunden ergeben sich daraus keine Nachteile. Der Händler allerdings muss seine Bürgetaler wieder loswerden, denn neben einer monatlichen Teilnahmengebühr muss er sogenannte Parkgebühren bezahlen, sollte sein Guthaben in Bürgertalern eine bestimmte Grenze überschreiten (aktuell bei 300 Bürgertaler). Er kann sein Konto aber auch gegen eine Gebühr auflösen. Diese beträgt zur Zeit 3,5% der Betrages in Bürgertalern, die er nun natürlich Euros bezahlen muss.

Was hat aber ein Unternehmen von diesem Mehraufwand bzw. von den entstehenden Kosten? Über dieses Netzwerk teilnehmender Firmen hat man nun die Chance, neue Kunden bzw. Auftraggeber zu finden. Denn jede Firma, die diese Bürgertaler annimmt hat ein Interesse, diese wieder in Umlauf zu bringen. Man kann dieses Engagement also durchaus auch als Marketinginstrument sehen, und da werden sonst ja ganz andere Beträge fällig. Der Aufwand hält sich in diesem Fall also in Grenzen. Und nebenbei engagiert man sich für soziale Einrichtungen. Die Begünstigten werden von allen Teilnehmern selbst bestimmt. Im Vergleich zu den meist albernen CSR-Aktivitäten (CSR = Corporate Social Responsability) großer Konzerne ein echter Gewinn für alle Beteiligten.

Ich werde mit Virtual-Commerce Teil des Netzwerks »Bürger Vermögen viel«

Wie sagte ein Vortragender so schön: Wir wollen Kreislauf und nicht Wettlauf. Ob dieses Prinzip tatsächlich so funktionieren kann ist offen, aber die Initiative »Bürger Vermögen viel« erfährt seit ihrem Start vor gut einem halben Jahr sehr viel positiven Zuspruch. Ich habe mit meiner Internetagentur Virtual-Commerce beschlossen, an dieser Inititiative teilzunehmen und werde Mitglied dieses Netzwerks. Ob und wie es funktioniert wird sich zeigen, ein spannendes Experiment ist es allemal.

eCommerce mit regionaler Währung!

Weitere Infos zum AmmerLechtaler und zum Bürgertaler

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  1. Virtual-Commerce unterstützt die Inititiative ‘BÜRGER vermögen VIEL’ im Bereich Social Media | virtual-commerce.de - […] im Ammersee Denkerhaus beschrieben, so dass ich an dieser Stelle nur auf den vorhergehenden Artikel eCommerce mit der Regionalwährung…

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